Mobbing

1.) Was ist Mobbing?

Ein Phänomen, das für Schülerinnen und Schüler sehr relevant ist, ist Mobbing (englisch: Bullying). „Meute, randalierender Haufen“, „to mob“ meint „pöbeln“. Mobbing ist eine Subkategorie aggressiven Verhaltens, das von einem Einzeltäter oder einer ganzen Gruppe über einen längeren Zeitraum durchgeführt wird, mit dem Ziel ein schwächeres Opfer oder eine ganze Gruppe von schwächeren Opfern absichtlich zu schädigen oder zu verletzen…

Das Verhalten kann offen (körperlich, verbal) oder verdeckt (sozialer Ausschluss, Gerüchte verbreiten) ablaufen. Mobbing ist durch ein Machtungleichgewicht in der Beziehung zwischen Opfern und TäterInnen gekennzeichnet. Es handelt sich um eine asymmetrische Beziehung, wodurch es für das Opfer nur schwer möglich ist, der negativen Beziehungsdynamik zu entkommen.

Im Unterschied zu unsystematischen, einmaligen Gewalterfahrungen (die natürlich auch sehr schwerwiegend sein können), handelt es sich bei Mobbing um systematische, über einen längeren Zeitraum gehende Übergriffe, gegen die sich Opfer nur sehr schwer wehren können. Aufgrund des systematischen Auftretens sind die Folgen von Mobbing in der Regel gravierender, als von einmaligen Gewalthandlungen.

2.) Was ist Gewalt?

Die vielen Formen und Mechanismen von Gewalt finden sich in der Definition der WHO.

Violence is the intentional use of physical and psychological force or power, threatened or actual, against oneself, another person, or against a group or community, that either results in or has a high likelihood of resulting in injury, death, psychological harm, mal-development or deprivation.

Frei übersetzt bedeutet diese Definition, dass eine absichtliche Schädigung durch körperliche oder psychologische Kraft – tatsächlich ausgeführt oder angedroht – wird. Diese Schädigung kann gegen einem selbst gerichtet sein, gegen andere Personen, Personengruppen oder Gemeinschaften. Die Schädigungen führen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu Verletzungen, Tod oder psychologischen Schäden. In dieser sehr breiten Definition werden die eingesetzten Mittel (körperlich oder psychologisch), die Geschädigten (gegen den Täter / die Täterin selbst, gegen eine einzelne Person, gegen eine Gruppe, gegen eine Gemeinschaft) und die Art des Schadens (Verletzung, Tod, psychologisches Leid, Entwicklungsprobleme oder Deprivation) miteinbezogen.

3.) Gründe für aggressives Verhalten von Kindern und Jugendlichen?

Reaktive Aggression
Reaktive Aggression tritt unmittelbar und impulsiv als Konsequenz einer realen oder wahrgenommenen Provokation, Frustration oder Bedrohung auf und ist von starken Ärgergefühlen begleitet. Die Ursachen für das aggressive Verhalten liegen in einer verzerrten Wahrnehmung (das Kind oder der Jugendliche fühlt sich durch fast alles provoziert), in der mangelnden Fähigkeit mit Gefühlen angemessen umzugehen (das Kind oder der Jugendliche explodiert leicht vor Wut) und in einem eingeschränkten Verhaltensrepertoire.

Proaktive Aggression
Von proaktiver Aggression spricht man dann, wenn das Kind oder Jugendliche aggressiv handelt um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, wie Erlangen von Macht über eine andere Person oder Ansehen und Anerkennung. Das aggressive Verhalten wird von angenehmen Gefühlen, wie Lust und Spaß, begleitet. Die Ursachen liegen
im Wunsch nach Anerkennung und Ansehen in der Gruppe, in einer positiven Lernerfahrung (das Kind oder der Jugendliche hatte Erfolg mit seinem Verhalten und bekam Anerkennung) und in gruppendynamischen Prozessen (die meisten Kinder oder Jugendliche in der Klasse sind beteiligt).

4.) Verschiedene Beziehungsformen

Beziehung zwischen TäterInnen und Opfer
TäterInnen wählen solche SchülerInnen als Opfer aus, von denen sie am wenigsten Widerstand erwarten (z.B. weil sie verletzlich sind und niemanden haben, der ihnen helfen könnte). Vielen Tätern gibt es eine große Bestätigung, wenn sie das Opfer einschüchtern und dominieren können. Daher wählen diese Täter genau solche Personen aus, bei denen dies möglich ist.

Beziehung zwischen mehreren TäterInnen – Opfer
Gewalt und Mobbing können den Gruppenzusammenhalt stärken sowie das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gruppe (oder einer Einzelperson) erhöhen. Das gemeinsame Schimpfen über eine nicht anwesende dritte Person, erzeugt ein Gefühl der Verbundenheit und Zugehörigkeit der Schimpfenden. Dieses Verhalten ist alltäglich. Zu Gewalt und Mobbing wird es erst dann, wenn es nicht bei diesem einmaligen Schimpfen bleibt, sondern wenn es sich um wiederholte, absichtliche Attacken handelt, um eine Person zu verletzen.

Beziehungen innerhalb einer Klasse und Schule
Ein weiterer Mechanismus, der Gewalt und Mobbing aufrechterhält, ist soziale Anerkennung des Verhaltens. Wenn es für den Täter (oder die Täterin) möglich ist, durch das Mobben einer Mitschülerin oder eines Mitschülers Anerkennung im sozialen Umfeld zu erhalten, wird der Täter (oder die Täterin) dieses Verhalten aufrechterhalten. Wird das Verhalten vom sozialen Umfeld jedoch konsequent abgelehnt, wird es der Täter (oder die Täterin) in Zukunft nicht mehr ausführen.Zum sozialen Umfeld in der Schule zählen Lehrerinnen und Lehrer sowie MitschülerInnen.

Gewalt und Mobbing bei „AußenseiterInnen“
Außenseiterinnen oder Außenseiter sind unbeliebte Schülerinnen oder Schüler, die von der Mehrheit ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler abgelehnt werden. Obwohl Ablehnung und Mobbing oft gemeinsam auftreten, handelt es sich um zwei separate Phänomene, die man unterscheiden muss:
Eine Außenseiterin oder ein Außenseiter wird von der Mehrheit der Mitschülerinnen abgelehnt.Mobbing beschreibt absichtliche, systematische und über einen längeren Zeitraum andauernde negative Verhaltensweisen, um eine Mitschülerin oder einen Mitschüler zu quälen und fertig zu machen.

Abgelehnte Schülerinnen und Schüler sind leichte Opfer, da sie meist niemanden haben, der sie unterstützt und gegen gemeine Attacken der anderen in Schutz nimmt.
Abgelehnte Schülerinnen und Schüler sind leichte Opfer, weil sie oft Eigenschaften aufweisen, die nicht der Gruppennorm entsprechen.
Abgelehnte Schülerinnen und Schüler sind leichte Opfer, weil sie auf Übergriffe häufig nicht adäquat reagieren können (weil sie z.B. sozial unsicher sind, Angst haben, ihre Grenzen nicht verteidigen können, etc.).

Ablehnung kann daher eine Vorstufe von Gewalt und Mobbing darstellen und sollte von Erwachsenen ernst genommen werden!

5.) Cyberbullying: Gewalt und Mobbing mit neuen Medien

Unter Cyberbullying versteht man Verhaltensweisen, die über einen längeren Zeitraum mit neuen Medien, zum Beispiel mit dem Computer oder dem Handy, durchgeführt werden, mit dem Ziel einer anderen Person absichtlich Schaden zuzufügen bzw. sie fertig zu machen oder zu quälen.

Was gehört alles zu Gewalt und Mobbing mit neuen Medien?

Das Versenden von gemeinen oder beleidigenden Bemerkungen, Fotos oder Videoclips mit dem Handy.

Das Versenden von gemeinen oder beleidigenden Emails mit dem Computer.

Das Posten von gemeinen oder beleidigenden Bemerkungen, Fotos oder Videoclips in Chatrooms.

Das Posten von gemeinen oder beleidigenden Bemerkungen, Fotos oder Videoclips auf Homepages und Social Networks.

Das Tätigen von gemeinen oder beleidigenden Anrufen mit dem Handy.

Das Versenden von gemeinen oder beleidigenden Fotos oder Videoclips.

Cyberbullying unterscheidet sich in mehreren Aspekten von dem traditionellen Bullying. So ist es u. a. für Opfer viel schwerer sich zu entziehen, es kann ein potentiell sehr großes Publikum erreicht werden, der/die TäterIn sind zumeist “unsichtbar” und anonym. Sie sehen ihre Opfer nicht unmittelbar nach der Tat und können somit deren Reaktionen nicht wahrnehmen.

6.) Geschlechtsunterschiede bei Gewalt und Mobbing

Es besteht ein Unterschied darin was Jungen und Mädchen tun, um jemand anderen zu quälen und fertig zu machen. Mädchen setzen häufiger indirekte, für andere wenig sichtbare Methoden ein (z.B. soziale Ausgrenzung, Beziehungen zerstören, Gerüchte verbreiten) als direkte, offene Methoden (z.B. hänseln, körperlich angreifen, auslachen, etc.). Bei Jungen ist es genau umgekehrt: sie setzen häufiger direkte Methoden ein als indirekte.

Die Übergriffe von Mädchen laufen deshalb häufiger verdeckt ab und sind daher von Erwachsenen noch schwieriger zu erkennen als die Übergriffe von Jungen, die meist offen ausgetragen werden. Egal ob Jungen oder Mädchen beteiligt sind: für Erwachsene ist es oft sehr schwierig Gewalt- und Mobbingvorfälle zu erkennen. Aus diesem Grund ist es wichtig mit den Schülern und Schülerinnen zu sprechen und sie danach zu fragen. Sie wissen meistens genau, was in ihrer Klasse passiert.

7.) Mythen

Mobbing ist harmlos.

Mobbing unter Kinder und Jugendlichen ist nur ein vorübergehendes Verhalten.

Mobbing betrifft nur sehr wenige Kinder und Jugendliche.

Mobbing betrifft nur TäterInnen und Opfer.

Kinder, die gemobbt werden, müssen sich wehren und zurückschlagen.

Mobbing kommt nur in der Schule / im Kindergarten vor.

8.) Fakten

Mobbing kann zu ernsthaften physischen und psychischen Erkrankungen führen.

Mobbing kann über mehrere Jahre stattfinden.

Schätzungen zufolge werden in Österreich 7 bis 10 % der Kinder und Jugendlichen gemobbt.

Mobbing betrifft uns alle. Für das Schützen der Opfer sind die Erwachsenen (Eltern, Lehrer, Jugendamt, Polizei) zuständig.

Mobbingopfer können selber nicht dafür sorgen, dass das Mobben aufhört.

Mobbing kommt auch am Arbeitsplatz, bei Vereinen oder im Freundeskreis statt.

9.) Psychische und Somatische Folgen

Mobbingopfer leiden häufiger unter körperlichen Beschwerden, wie Kopfweh und Magenschmerzen.

Mobbingopfer leiden unter unterschiedlichen Angstsymptomen und depressiven Verstimmungen.

Mobbingopfer und Täter haben ein höheres Selbstmordrisiko.

Mobbingopfer und Täter haben mehr Schulprobleme hinsichtlich Schulleistung, Fehlzeiten und Einstellung zur Schule.

Kinder und Jugendliche, die andere Kinder mobben, weisen ein erhöhtes Risiko von Drogen-, Medikamenten- und Alkoholmissbrauch sowie eine erhöhte Kriminalitätsrate im Erwachsenenalter auf.

10.) Lösungsansätze

Es ist wichtig gefährdete Kinder und Jugendliche zu identifizieren und ihnen Unterstützung zukommen zu lassen, um die negativen Konsequenzen von Mobbing zu verhindern.

Früherkennung und Intervention bei Mobbing verhindert, dass diese negativen Verhaltensmuster weiterbestehen und positive soziale Beziehungen entwickelt werden können.

Den erwachsenen Personen muss klar sein, dass sich Mobbing mit zunehmendem Alter verändert und immer schwerer zu erkennen ist.

Fakt 1: In einem Mobbingvorfall sind nicht nur der Täter / die Täterin und das Opfer involviert, sondern meist die gesamte Klasse. Viele Kinder beobachten diese Vorfälle und wissen genau, wer der Täter / die Täterin und wer das Opfer ist. Ein Großteil der Kinder ist bei den Vorfällen anwesend und durch Zuschauen oder aktives Mitmachen auch beteiligt.

Dieser Umstand weist auf die Bedeutsamkeit der Förderung positiver Verhaltensweisen bei einer möglichst großen Gruppe von Personen hin, da sie beteiligt und daher auch mitverantwortlich sind. Bei der Prävention und Intervention ist es daher zentral, dass die gesamte Klasse miteinbezogen wird. Ziel sollte sein positive, gesunde und vertrauensvolle Beziehungen zwischen Kinder und Jugendlichen zu schaffen.

Fakt 2: Gemobbte Kinder zu ermutigen zurückzuschlagen, kann die Mobbingsituation zusätzlich verschlimmern. Kinder, die zurückschlagen und sich aggressiv in Mobbingsituationen verhalten, werden meist noch stärker gemobbt.

Kinder, die gemobbt werden, sollen in ihrem Selbstvertrauen gestärkt werden, ohne jedoch aggressiv zu sein. Sie sollen darin bestärkt werden einer erwachsenen Person ihres Vertrauens über die Vorfälle zu berichten.

Es sind die Erwachsenen, die maßgeblich für die positiven Beziehungen zwischen Kindern und Jugendlichen zu sorgen haben. Alle Erwachsenen sind dafür verantwortlich ein positives, förderliches Umfeld für Kinder und Jugendliche zu schaffen und Gewalt und Mobbing zu verhindern. Es ist die Aufgabe der Erwachsenen in Gewalt und Mobbingvorfälle einzugreifen und die Kinder und Jugendlichen zu schützen.

11.) Gesetzeslage

Mobbing selbst, ist kein juristischer Tatbestand sondern einzelne Handlungen welche bei Mobbing häufig vorkommen.

Körperverletzung § 83

Gefährliche Drohung § 107

Stalking/beharrliche Verfolgung § 107a

Sachbeschädigung § 125

Nötigung § 105

Zusammenfassung
Mobbing
Beitragsname
Mobbing
Beschreibung
Mobbing ist eine Subkategorie aggressiven Verhaltens, das von einem Einzeltäter oder einer ganzen Gruppe über einen längeren Zeitraum durchgeführt wird, mit dem Ziel ein schwächeres Opfer oder eine ganze Gruppe von schwächeren Opfern absichtlich zu schädigen oder zu verletzen…
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Mario Glanznig
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