Der Reiz des Verbotenen

Kinder und Jugendliche müssen viele Entwicklungsaufgaben und Weichenstellungen für ihr späteres Leben bewältigen, um Zukunftsperspektiven aufbauen und verwirklichen zu können. Sie wollen ihre Kräfte und Potentiale sinnvoll einsetzen. Junge Menschen in der Pubertät reagieren sehr sensibel auf Leistungsdruck, Verunsicherungen, Zukunftsängste und Veränderungen im Selbstbild. Vielfältige Dynamiken und Problematiken können jedoch dazu führen, dass ihre Motivationen sie auch in Gefahr oder in den Bereich des Ungesetzlichen bringen können.

Sieben Motive für die menschliche Motivation, welche auch zu verbotenem Handeln führen können.

1. Eigene Widerstandskraft und Härte beweisen

Wenn Jugendliche zum Beispiel verbotene Filme (Horror) anschauen, sprechen wir von der Lust auf Angsterfahrungen und dem „Kick“. Da sich diese Lust mit jeder emotionalen Grenzerfahrung durch Abhärtung bzw. Abstumpfung weiter ausdehnt, sinkt die Hemmschwelle. Jugendliche suchen Gemeinschaftserlebnisse, es wird die Zugehörigkeit zu einer emotionalen Schicksalsgemeinschaft angestrebt, die beim Aushalten drastischer Bilder und bei der Verarbeitung dieser helfen soll.

2. Umgehung des Verbotes als Reiz und Möglichkeit zur Selbstverwirklichung

Jugendliche erleben das Verbotene oft als Einengung von persönlicher Entfaltung. Die Umgehung des Verbots wird damit zu einer Form der Selbstverwirklichung. Vom 2. bis zum 4. Lebensjahr sprechen wir von Trotzphase oder Autonomiephase. Kinder übertreten vorsätzlich aufgestellte Regeln, um die eigenen und die Grenzen der Eltern zu erfahren.

Die zweite Trotzphase in der Pubertät dient ähnlichen Zwecken. Ziele, Werte und Regeln der Gemeinschaft werden auf den Prüfstand gestellt, um den eigenen Platz zu finden.
Es werden Verbote umgangen, um sich selber die Unabhängigkeit und Freiheit von den gesellschaftlichen Normen zu beweisen.

3. Neugierde und die Lust zu experimentieren

Menschen spüren ein Verlangen nach der Frucht vom verbotenen Baum, nach dem Blick durch das Schlüsselloch und über den Gartenzaun. Die Gier nach dem Neuen, die Neugierde verleitet uns über bestehende Grenzen zu gehen, Tabus zu brechen auf der Suche nach dem noch nie Gesehenen und Erlebten.

4. Widerstand um Ziele zu erreichen versus Kriminalität

Verbote behindern die Umsetzung von Handlungszielen. Die Umgehung des
Verbots dient der Durchsetzung dieser Ziele.
Durch zivilen Ungehorsam können wir uns gegen bestehende politische Machtverhältnisse auflehnen.
Wenn das Motiv der Normenübertretungen aber persönliche Bereicherung ist und dabei Gesetze übertreten werden, führt das zur Kriminalität.

5. Aufmerksamkeit

Verbote markieren die Grenzen der Gesellschaft. Die Umgehung des Verbots
erhöht die Aufmerksamkeit dieser Gesellschaft.

6. Identifikation mit der Gruppe

Verbote engen die Gruppe ein. Die Umgehung des Verbots dient der Demonstration der Identifikation mit der Gruppe und stärkt das Wir-Gefühl.
Widerstand leisten gegen bestehende gesellschaftliche Normen ist ein verbreitetes Bedürfnis vieler Jugendkulturen. Subkulturen wie Punks, Skinheads, Hooligans, Hip-Hop, oder Hippies sind eine Form der „organisierten Pubertät“ mit dem Bedürfnis, die eigene Identität zu erforschen.
Dabei werden Tabus und gesellschaftliche Regeln gebrochen.

7. Machtstreben

Oft kommt es in Familien zu Machtkämpfen. Jugendliche wissen, dass sie bald erwachsen werden und wollen sich keine Vorschriften mehr machen lassen.
Sie wollen selber entscheiden weil sie ja schon alt genug sind.

Typische Konflikte im Jugendalter

Innerseelische Konflikte
Verwirrung der eigenen Identität, ausgelöst durch Loyalitätskonflikte.
Der innere Wunsch, Kind zu bleiben und der Wunsch, erwachsen zu werden.
Wünsche nach sexueller Erfahrung, verliebt sein, „Herzschmerz“.

Zwischenmenschliche Konflikte
Ablösekonflikte zu den Bezugspersonen.
Bedürfnis nach der Peergroup erzeugt Gruppendynamik.
Geschlechterkonflikte.
Konflikte am Arbeitsplatz, Schule und allgemein mit der Gesellschaft.

Legale und illegale Drogen

Drogen sind Suchtmittel, deren natürliche bzw. chemische Substanzen mehr oder weniger langfristig psychisch und meist auch körperlich abhängig machen. Es gibt legale Drogen wie Alkohol, Zigaretten und Medikamente, die abhängig machen, sowie illegale Drogen, zum Beispiel Cannabis (Hanf) in Form von Haschisch (gepresstes Harz) oder als Marihuana (getrocknete Blätter), Ecstasy (Amphetamine), Heroin (Opiate), Kokain usw.
Illegal sind diese Drogen, weil ihr Besitz und ihre Weitergabe bzw. ihr Verkauf nach dem Betäubungsmittelgesetz strafbar sind.
Der Reiz, der von Drogen ausgeht, besteht darin, gewünschte Gefühlszustände wie innere Ruhe und Gelassenheit, gedämpfte bzw. gesteigerte Wahrnehmungs- und Erlebnisfähigkeit, aber auch Euphorie, erhöhte Konzentrations- und Leistungsfähigkeit bis hin zu irrealen Wahrnehmungen auslösen zu können. Positive Gefühle können so gesteigert bzw. negative schnell verdrängt werden.
Der Konsum von Drogen bietet hier trügerische Möglichkeiten, zum Beispiel mit Haschisch-Joints zu entspannen und innerlich “abzudriften”, mit Aufputschmitteln oder Ecstasy dem Leistungsdruck standzuhalten oder Nächte durchzutanzen, sich mit Alkohol einen Rausch anzutrinken und mutig zu werden, mit Zigaretten “cool” zu bleiben usw. In manchen Gruppen gilt das “Kampftrinken” sogar als Einstand in die Männlichkeit, während Mädchen eher zu Tabletten greifen, um ihrem Wunschbild von sich selbst gerecht werden zu können

Hinweise einer möglichen Drogenproblematik erkennen.

Radikale Entfernung von den Bezugspersonen

Leistungsprobleme in der Schule oder am Arbeitsplatz

Ständige Müdigkeit und gerötete Augen

Plötzlicher Wechsel der Freizeitaktivitäten

Stimmungsschwankungen (aggressiv, passiv, gereizt…)

Konzentrationsstörungen

Unruhe und Schlaflosigkeit

Häufige Schweißausbrüche und Gewichtabnahme

Steigerung des Geldbedarfs

Gegenstände im Besitz des Kindes, deren Zweck nicht eindeutig ist (z.B. Tablettenröhrchen, Briefchen aus Stanniolpapier, selbstgebastelte Rauchgeräte)

Lösungsstrategien

Bestehende Konflikte der Jugendlichen verstehen.

Gespräche suchen.

Vertrauen entwickeln.

Trennung von Person und Verhalten der Person.

Grenzen setzen.

Drogentest einfordern.

Therapieplatz oder Beratungsstellen aufsuchen.

Hinschauen!!

Meistens bleibt das Ausprobieren von Suchtmittel einmalig und die Jugendlichen distanzieren sich wieder davon!!!!!